Weiterleben

Skizzenbuch

Viele werden erst lebendig, wenn sie als Fotos in den Schubladen rumliegen, zu Lebzeiten und auch noch kurz danach; sie leben dann und wann noch einmal kurz auf, bei Familienfesten oder an den einsamen Abenden der Alten, bevor sie in die endgültige Verlassenheit fallen: die Verlassenheit der nicht mehr angeschauten Bilder.

Wie lange wird so ein Foto angeschaut? In der Regel nur von einer, von der nachfolgenden Generation. Sie allein verbindet mit den abgebildeten Personen noch Erinnerung. Erinnerung, die den Wiedererkennungseffekt garantiert. Danach tritt das Foto in eine Anonymitätsphase, die längst nicht so lange dauert wie das Leben derer, die es zeigt. Irgendwann ist dann die Pietätsgrenze erreicht, die Schamfrist vorbei, jedes Erinnern, auch das an die Namen derjenigen, die im Bild sind, erloschen, und das Album wird ein Fall für den Sondermüll.